Immer mehr Texte von ChatGPT fluten das Internet, sodass die Konkurrenz um SEO-Texte und Content wie beispielsweise einem Glossar oder Unternehmensblog zunimmt. Wer die Augen offenhält, enttarnt die Texte von ChatGPT jedoch durchaus schnell, insbesondere, wer schon einiges von der generativen KI gelesen hat. Ein Grund, wieso wir (aktuell) noch nicht ausschließlich auf KI-Texte setzen können, ist genau dieser: Es bleiben eben Texte, die auf einem Algorithmus basieren. Welche Muster wir gefunden haben, verraten wir Ihnen mit einem Blick hinter die Kulissen!
Inhaltsverzeichnis
- Das Wichtigste in Kürze
- Werden, können und haben: ChatGPT und die Hilfsverben
- „Tauchen Sie ein“, „eine Welt“, „Zauber der“: ChatGPT und Arielle
- Noch mehr Phrasen: ChatGPT und der Satzanfang
- Aufzählungen und Paletten
- Storytelling und ChatGPT: die Sache mit den Emotionen und der Empathie
- 3 Merkmale, an denen Sie Texte von ChatGPT NICHT erkennen
- Fazit
Das Wichtigste in Kürze
- ChatGPT verwendet beim Satzbau viele Hilfsverben wie werden, können und haben.
- Die generative KI setzt oftmals auf Phrasen, sei es bei der kreativen Texterstellung mit „Tauchen Sie ein in eine Welt (…)“ oder bei der Zusammenfassung von Ergebnissen.
- Aufzählungen beginnt ChatGPT bei Werbetexten gerne, indem die KI sie ankündigt, z.B. „eine Vielzahl an“, „eine breite Palette an“.
- Emotionen und Empathie liegen ChatGPT nicht. Storytelling ist deshalb eine Gratwanderung, die ein gutes Lektorat benötigt und viel Geduld beim Erstellen der Prompts erfordert.
- Obwohl die KI stilistisch noch viele Schwächen aufweist, ist sie ein hilfreiches Werkzeug für die Texterstellung. Eine ihrer Stärke ist unter anderem die Rechtschreibung und Grammatik, von der sich einige noch etwas abgucken können.
Werden, können und haben: ChatGPT und die Hilfsverben
Gute Texte lassen sich flüssig lesen und haben eine klare Aussage. Keine Frage: ChatGPT liefert hier schon hervorragende Arbeit ab, jedoch greift die KI ständig auf Hilfsverben zurück, insbesondere die Wörter “werden”, “kann” und “haben” springen uns sofort in das geschulte Auge. Hilfsverben sind per se auch nichts Schlechtes! Aber man sollte sie sparsam einsetzen und nur dann, wenn sie wirklich nötig für den Satzbau sind. In (kurzen und knackigen) Werbetexten führen sie eher zum Verwässern der Aussagen.
Vergleichen Sie: “Wir werden Ihre Träume erfüllen.” “Wir erfüllen Ihre Träume.”
„Tauchen Sie ein“, „eine Welt“, „Zauber der“: ChatGPT und Arielle
Zugegeben: An sich klingt es nicht schlecht, wenn man Kund:innen dazu einlädt, in die Welt der Beautygeheimnisse einzutauchen. Aber wenn Sie diesen Satz 10 Mal am Tag lesen, trällert Ihnen irgendwann die Stimme der Meerjungfrau Arielle mit dem Lied „In meiner Welt“ durch den Kopf. Verlangen Sie kreative Texte von ChatGPT, schlägt die KI nämlich in einem anmaßend häufigen Fall die in der Überschrift genannten Phrasen vor, sogar wenn man die KI bittet, es sein zu lassen.
Kreativ arbeitet ChatGPT aktuell stetig nach einem ähnlichen Muster. Individuelle und persönliche Wortspiele darf man noch nicht auf den ersten Klick erwarten – mit viel Geduld generiert Ihnen die KI aber auch die. Beachten Sie, dass die Vergleiche zum Produkt oder zu der Dienstleistung passen müssen. Das ist bei den Vorschlägen der KI nicht immer der Fall, sodass für das gewünschte Ergebnis unter Umständen viel Zeit verstreicht.
Noch mehr Phrasen: ChatGPT und der Satzanfang
„Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass (…)“, „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass (…), „Insgesamt ist (…): ChatGPT baut gegen Ende oder innerhalb eines Artikels immer wieder die gleichen Satzfragmente ein. Gut möglich, dass eine Zusammenfassung am Ende hilfreich ist, um das vorher Gelesene noch einmal zu verdauen. Aber wir wünschen uns ein wenig mehr Variation. Wie wäre es mit einer kreativen Hinleitung zur Zusammenfassung, statt sie direkt anzukündigen? Natürlich nutzen auch Menschen diese Phrasen, die durchaus ihre Daseinsberechtigung haben. Aber wenn jeder Ihrer Blogartikel damit endet, verlieren Sie die Leser:innen Ihres Unternehmensblogs. Achten Sie darauf, Variation reinzubringen.
Aufzählungen und Paletten
„Wir bieten eine Vielzahl an (…)“, „eine breite Palette an (…)“: ChatGPT und die wenig kreativen Aufzählungen. ChatGPT orientiert sich bei der Aufzählung oft an Phrasen, um diese vorab anzukündigen, ähnlich wie bei der Zusammenfassung eines Textes (s.o.). Problematisch wird das erst, wenn Sie es häufig lesen und Sie sich dadurch nicht mehr von der Konkurrenz abheben. Die breite Palette an Dienstleistungen oder Vorteilen ist eine Phrase, die sehr oft auf Websites auftaucht – so gesehen darf man ChatGPT hier keines Falls einen Vorwurf machen, schließlich nutzen viele Menschen genau den gleichen Aufbau und es hat genau daraus diese Phrase gelernt. Wir empfehlen Ihnen dennoch, sich etwas eigenes einfallen zu lassen.
Auch abseits der Phrasen nutzt ChatGPT gerne Aufzählungen – das ist etwas, das wir durchaus empfehlen und positiv sehen. Aufzählungen lassen sich vom Auge besser und schneller erfassen als ein langer Fließtext. Ebenso bieten sie eine gute Grundlage, um zu argumentieren, Fakten zu erklären oder ins Detail zu gehen. Achten Sie nur darauf, die Wortwiederholungen, die ChatGPT häufig in den Aufzählungen einbaut, zu löschen. Nur weil Sie gerade Stichpunkte über eine KI sammeln, muss nicht gleich jeder Stichpunkt mit dem Wort „KI“ anfangen.
Storytelling und ChatGPT: die Sache mit den Emotionen und der Empathie
Die größte Schwäche der KI ist es aktuell noch, Emotionen mit ihren Texten hervorzurufen. Fakten, Erklärungen und Tatsachen kann sie dafür sehr gut wiedergeben. Geht es jedoch darum, uns als Menschen abzuholen, fehlt es ihr an Empathie und Gefühlen. Die Texte lesen sich oft emotionslos und schlimmstenfalls wie ein Auszug aus dem Schulbuch. Tragisch ist das nicht, je nach Branche ist eine Distanz sogar wichtig. Branchen, die einen weniger sachlichen, sondern lockeren Stil benötigen, stoßen bei ChatGPT schneller an die Grenzen.
So lassen sich auch beim Storytelling Muster im Satzbau der KI erkennen. Wörter wie „plötzlich“ oder „dann“ stehen bei ChatGPT an der Tagesordnung. Mit ein wenig Prompt-Geschick und der Vorgabe eines gewünschten Schreibstils lässt sich das etwas eindämmen. Hier besteht aber noch Verbesserungspotenzial und ein Lektorat ist zwingend erforderlich. Denn wenn ständig etwas „plötzlich“ passiert, wird das Wort abgeschwächt und nichts mehr passiert „plötzlich“. Ähnliches gilt für das Wort „Dann“. Schon in der Grundschule lernen Kinder, dass sie es in Aufsätzen sparsam verwenden sollen.
Warum solche Satzfragmente sparsam integriert werden sollen, liegt ihrer Bedeutung zu Grunde: Jedes Wort sollte eine Begründung haben, im Text zu stehen. Das Wort „Plötzlich“ leitet z.B. in der Regel einen Überraschungsmoment ein – der, wenn es zu viel verwendet wird, nicht mehr allzu überraschend ist. Das Wort „Dann“ sollte man eher bewusst setzen, um z.B. beim vorangegangenen Satz einen stärken Bruch für eine Pause zu erzeugen und anschließend einen Satz einzuläuten, der mit diesem in Kontrast steht. Verwendet man das Wort „Dann“ also übermäßig, wirkt das Storytelling wie eine Aufzählung von Ereignissen, die uns nicht richtig teilhaben und mitfühlen lässt.
Da auch der Satzbau hier meist eher erzählend und wenig zeigend ist, bleiben wir stets nur Betrachter:in von außen. ChatGPT eignet sich also bisher eher für sachliche Texte oder als Inspirationsquelle – und dort als starkes Hilfswerkzeug!
3 Merkmale, an denen Sie Texte von ChatGPT NICHT erkennen
Genug über die stilistischen Schwächen von ChatGPT gelästert! Lassen Sie uns einen Moment innehalten und uns über die beeindruckende Technik staunen. Aus Unmengen an Daten aus dem Internet wurden Sprach- und Bildgenerierungstools erstellt, welche die Arbeit unheimlich erleichtern. Wir haben ChatGPT ausgiebig getestet und staunen noch immer darüber, was die KI alles kann. Einige ihrer Stärken sind diese:
Rechtschreibung & Grammatik
Die Rechtschreibung und Grammatik von ChatGPT ist beeindruckend und nahezu fehlerfrei. Eine Zeit lang sollen sogar einige Menschen versucht haben, in die Texte der KI absichtlich Fehler einzubauen, damit sie menschlicher wirken und sich somit von Erkennungssoftware nicht mehr als KI-Texte identifizieren lassen. Das sagt schon alles, oder?
Sachlich & bodenständig
Obwohl die KI eindeutig Schwächen in Sachen Kreativität aufweist, ist der Stil für sachliche Texte absolut ausreichend. Dadurch eignet sich ChatGPT besonders dazu, Texte zu generieren, die für die Erstellung eines Glossars oder Lexikons benötigt werden. (Achtung – immer alle Inhalte auf ihre Richtigkeit prüfen!) Tatsächlich lassen sich die Texte für ein ungeschultes Auge kaum von einer Definition aus einem herkömmlichen Lexikon unterscheiden.
Aufzählungen
Ja, richtig! Einer der Punkte, die wir als „KI-generierter-Text“ entlarven, ist gleichzeitig einer, der sich nicht immer als KI-Text entlarven lässt. Ändert man die Satzanfänge der Aufzählungen, stellt die Sätze ein wenig um und nutzt dann das Ergebnis, erhält man Content, der sich sehen lassen kann. Das gilt für viele Textarten von ChatGPT, ganz besonders aber für Aufzählungen.
Fazit
ChatGPT und KI-Texte erleichtern uns die Arbeit. Sie bieten eine hervorragende Grundlage, aus der fertige Werbetexte entstehen können. Auch wenn die oben genannte Kritik auf aktuelle Schwierigkeiten hinweist, sind es eben nur die aktuellen Herausforderungen. Generative KI entwickelt sich stetig weiter und wir freuen uns auf die in Zukunft möglichen Ergebnisse. Im Augenblick empfehlen wir Ihnen, die Texte immer kritisch zu prüfen oder die Texterstellung professionellen Content Manager:innen zu überlassen. Unser Kreationsteam ist Ihnen dabei gerne behilflich und nimmt Ihnen die Schreibarbeit ab, damit Sie sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren können.